Klybeckplus: Eine Chance für eine neue Art der Stadtentwicklung

Wir begrüssen, dass sich die Stadt aktiv in die Entwicklung des heutigen Industrieareals im Klybeck einbringt. Die Planungsvereinbarung verspricht viel Positives. Der Einbezug der bestehenden Bauten und die Idee, das Areal über einen längeren Zeitraum hinweg zu entwickeln, ermöglichen eine schrittweise und organische Entwicklung zu einem lebendigen, sozial durchmischten Quartier. Anstatt auf einen Schlag eine von der Nachbarschaft abgetrennte Retortensiedlung zu planen, soll dem neuen Quartier die Chance gegeben werden, unter Einbezug kleiner und lokal verankerter Akteure zu wachsen.
Bezahlbare, nicht nur attraktive Räume notwendig
Die angestrebte „eigene Identität“ darf nicht zu einer baulichen oder sozialen Abschottung führen. Im Gegenteil, die neuen Nutzungen und allfälligen Neubauten, sollen sich in die umliegenden Quartiere eingliedern und diese verbinden. Dazu ist entscheidend, dass nicht nur „attraktiver Wohnraum und Arbeitsflächen“ entstehen sondern primär Wohn und Gewerberaum für tiefe Einkommenschichten und Firmen mit kleinerem Kapital. Die Arbeitsflächen sollen nicht nur aus Büroräumen bestehen, sondern auch aus Räumen für Handwerk und Gewerbe. Problematisch ist diesbezüglich die in der Planungsvereinbarung erwartete Wertsteigerung des Areals und das erklärte Ziel, dass der Transformationsprozess zu einem wirtschaftlichen bzw. volkswirtschaftlichen Gewinn führen soll. Aus unserer Sicht ist es sehr wichtig, dass der gesellschaftliche Gewinn durch die Schaffung bezahlbarer Räume und Frei- und Grünflächen mindestens genauso berücksichtigt wird.
Kauf der Flächen durch Kanton
Die Öffnung des Gebiets und die Aufhebung der „Barriere“ wird von uns, die wir beide im Klybeck/Kleinhüningen leben, begrüsst. Dass Novartis das „Filetstück“ am Rhein gemäss Bericht der Tageswoche behalten will, ist dabei aber ein schwerwiegender Schönheitsfleck. Wir hätten es bevorzugt, wenn das ganze Areal inklusive der Flächen entlang des Rheins vom Kanton gekauft worden wäre und Basel damit die Planung und Entwicklung eigenständig durchführen könnte. Es wird vom Kanton daher erwartet, dass zumindest die von BASF und Novartis für den Verkauf vorgesehenen Flächen erworben werden. Dabei ist darauf zu achten, dass eine faire Lösung für die Sanierung eventuell vorhandener Altlasten gefunden wird und die Verursacher der Bodenbelastungen ihre Verantwortung übernehmen.
Aus Rheinhattan-Debakel gelernt?
Sehr zu begrüssen ist die angestrebte frühzeitige Beteiligung der Bevölkerung schon bei der Erarbeitung der Grundlagen für die Testplanung.
Die Verantwortlichen scheinen aus dem Mitwirkungsdebakel bei „Rheinhattan“ gelernt zu haben, als die Bevölkerung erst nach Abschluss der Testplanung vor Tatsachen gestellt wurde. Wir erwarten, dass mit der Mitwirkung und Information sofort begonnen wird. Der Beginn der Testplanung ist ja bereits auf die 2. Hälfte dieses Jahres vorgesehen. Viel Zeit bleibt somit nicht. Damit die Mitwirkung besser läuft als bei Rheinhattan und nicht erneut zu allseitiger Frustration führt, sind alle Planungsschritte und (Zwschen-)Entscheide gegenüber der zu bildenden Begleitgruppe des Quartiers offen zu legen. Ein erster Schritt dazu ist mit der Veröffentlichung der Planungsvereinbarung gemacht. Dass der Kanton der Novartis in der Vereinbarung als Gegenleistung für eine allenfalls notwendige Nutzung von Flächen auf dem Areal entlang des Rheins eine wertgleiche Ersatzfläche auf der „Rheininsel“ verspricht, lässt jedoch aufhorchen und zeigt, dass eine aufmerksame Begleitung der Entwicklung sowohl bei „Rheinhattan“ wie auch bei Klybeckplus notwendig ist. Wir werden genau hinschauen.
Tonja Zürcher, Heidi Mück, Co-Präsidentinnen BastA!