Zack - Macht - Stadt

Foto: Franziska Stier, 1. Juli 2026
Mit einer grossen Party startete die Besetzung der Gebäude K102, K104 und K106. Darunter das Gebäude des ehemaligen Humbug, das viele von uns kennen. In ihrem ersten Communiqué kritisierten die Besetzenden die professionell abgewickelte Zwischennutzung und den nun folgenden Leerstand im Dienste der Profitinteressen von Swiss Life.
Der Kampf um Freiräume
«Statt einer dauerhaften öffentlichen Nutzung werden von der Eigentümerschaft Zwischennutzungen strategisch genutzt, um anhand kultureller und künstlerischer Projekte die Wertsteigerung voranzutreiben, ohne eine langfristige Verpflichtung einzugehen. Trotz des Ausbleibens von Bebauungsplänen wurde den letzten Parteien auf dem Areal fristlos auf Ende April 2026 gekündigt. Das gesamte Areal steht nun leer.» Das Communique rief auch zur Beteiligung auf. Ein neuer Ort sollte entstehen, der das Miteinander ins Zentrum stellt.
Die Besetzung Zack verfolgte also zwei grosse Ziele: Gemeinschaft und eine neue Kultur zum einen und den Kampf gegen Aufwertung und Verdrängung zum anderen.
Während Immobilienkonzerne Profite generieren, kämpfen viele Menschen mit steigenden Mieten, Unsicherheit und Verdrängung. Der Immobilienmarkt ist eine riesige Umverteilungsmaschine von unten nach oben. Das Schweizer Immobilienkapital wird auf rund 4 Billionen Franken geschätzt. Das sei ungefähr das Dreifache des Wertes aller Unternehmensaktien, die an der Schweizer Börse kotiert sind, erklärt Yves Wegelin bereits 2020 in der WOZ.
Unter diesen Bedingungen bedeuten die neuen Wohnungen von Klybeckplus zwar neue Wohnungen, aber der bezahlbare Wohnraum schwindet weiter. Denn trotz des Anteils an Kostenmiete von rund 30 Prozent werden diese Wohnungen für viele Anwohner:innen des Klybecks und Kleinhüningens unbezahlbar bleiben. Der Aufwertungsdruck und die Mietpreisentwicklung unter Profitinteressen werden auch die angrenzenden Nachbarschaften und schliesslich das ganze Quartier betreffen.
Experimentieren, lernen, praktizieren
Erst wenn Gesellschaftsveränderung und Selbstveränderung zusammenfallen, entstehen revolutionäre Momente. Es reicht also nicht, Räume dem Kommerz und dem Kapitalismus zu entziehen, sondern darin etwas Neues aufzubauen. Orte wie das Zack sind also nicht nur Räume gegen etwas, sondern Räume, in denen eine andere Gesellschaft ausprobiert wird.
Frigga Haug beschreibt in ihrer Vier-in-einem-Perspektive vier Bereiche, die jede Gesellschaft organisieren muss: Kultur, Politik, Produktion und Sorgearbeit. Im Kapitalismus sind diese Bereiche voneinander getrennt und hierarchisch der Erwerbsarbeit beziehungsweise der Profitlogik untergeordnet. Genau deshalb ist es relevant, wenn Menschen Orte schaffen, die diese Trennungen praktisch zu überwinden versuchen.
Für eine andere Gesellschaft brauchen wir Orte des Experimentierens einer anderen Kultur. Was heisst es genau, den Menschen im Alltag ins Zentrum zu nehmen und Teilhabe, Wirkmächtigkeit sowie Gemeinschaft zu ermöglichen?
Die Besetzung Zack ist also nicht nur wertvoll, weil sie Aufwertungsprozesse und Verdrängung thematisiert, sondern auch, weil ein Ort geschaffen wurde, in dem eine andere Praxis als Entfremdung und Vereinsamung praktiziert wurde. Hier liegt transformatorisches Potenzial. Vollversammlungen, gemeinsames Kochen, Kultur und die Gestaltung des Ortes selbst machen sichtbar, dass hier eine andere Form des Zusammenlebens praktiziert wurde.
Wenn Theorie lebendig wird
Auch BastA! war gelegentlich vor Ort. Manche, weil sie einen Kulturort suchten, andere, weil sie Nachbar:innen sind, wieder andere aus Neugier, weil sie selbst lange Teil einer Freiraumbewegung waren. Ausnahmslos alle sprachen mit leuchtenden Augen und sehr bewegt von dem, was sie mit dem Zack verbinden.
Dagegen begegneten mir in den Kommentarspalten zum Zack immer wieder andere Vorstellungen: Für die einen handelt es sich schlichtweg um «Chaoten», die sich nicht an die Regeln halten wollen. Es brauche möglichst harte Strafen für den Ungehorsam gegenüber … ja, gegenüber wem eigentlich? Die etwas mildere und zugleich zynische Variante davon war schliesslich: Wer sich den Freiraum nicht leisten könne, müsse eben akzeptieren, dass er ihm nicht zustehe. So seien schliesslich die Regeln.
Auch Freiräume haben Regeln, nur sind es andere als «Leistung muss sich lohnen». Verbindung entsteht nicht vermittelt über Geld, sondern über Zeit, Beziehung und Teilhabe.
Was für mich besonders war, war genau dieser Gedanke, auf den ich stiess: das sorgsame Miteinander, die Idee, einen gemeinsamen Ort zu beleben, die Nachbarschaft einzubeziehen und eine andere Kultur im Grossen wie im Kleinen zu entwickeln.
In einem eigentlich belanglosen Gespräch über die Zukunft des Zack und meine Ideen dazu sprach ich von einem Care-Zentrum, das es dringend bräuchte. Wir überlegten, und schliesslich sagte mein Gegenüber: «Ja, wenn man Kultur aus dem Kommerz löst, ist es auch Care.» Darin steckt so viel Kluges: Der Satz zeigt, wie Freiraum, Politik, Care, Kultur und Gemeinschaft zusammengehören – und unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen sie voneinander getrennt werden.
Die längste Zeit verbrachte ich beim Zack während der Räumung. Zwei Personen befanden sich über 30 Stunden auf dem Dach. In dieser Zeit kamen immer wieder besorgte Personen aus dem Quartier vorbei. Menschen versuchten auf unterschiedlichen Wegen, die beiden mit Wasser und Essen zu versorgen. Während ich dort wartete, trieb mich weniger meine eigene Beharrlichkeit an. Ich genoss die Verbindung zu den Menschen um mich herum.
Diese Zeit war besonders. Selten habe ich Momente erlebt, in denen so viel Zugewandtheit und Fürsorge in der Luft lag. Nicht nur gegenüber den beiden Personen auf dem Dach, sondern gegenüber allen, die vorbeikamen und sich interessierten. Das war etwas Besonderes.
Die Gebäude sind nun geräumt. In diesem Monat hat das Zack einige Partys gefeiert, viel gekocht und dringende stadtentwicklerische Themen auf den Tisch gebracht, von denen keines mit der Räumung beseitigt wurde.
Die Bewegung um das Zack hat aber auch Verbindungen geschaffen, die sich nicht räumen lassen. Und ich bin überzeugt, dass diese Verbindungen und die Sehnsucht nach einem anderen Miteinander noch so manche stadtentwicklerische Überraschung hervorbringen werden.
Franziska Stier, Parteisekretärin und Grossrätin

