Neu im Bürgergemeinderat: Fahriye Usta

Per 14. Juni ist Heidi Mück aus dem Bürgergemeinderat zurückgetreten. Sie will sich künftig auf die Arbeit im Grossen Rat konzentrieren. Für sie ist Fahriye Usta nachgerückt. Ich habe Fahriye, die ich seit gut 25 Jahren kenne, zum Gespräch getroffen und will nun versuchen, unseren Leser:innen einen Eindruck zu vermitteln, wer diese Frau ist, die für BastA! künftig im Bürgergemeinderat politisiert.

Fahriye Usta, Bürgergemeinderätin Foto: Nils Fisch

Fahriye Usta ist in der Türkei aufgewachsen. Schon in jungen Jahren engagierte sie sich in einer sozialistischen Partei. Ihr Mann Nadir war Chefredaktor einer linken Zeitung, für die auch Fahriye unter einem Pseudonym Artikel schrieb. Die regierungskritische Berichterstattung führte schon bald zu massiven polizeilichen Repressionen.

Anfang der 90er Jahre gelang Nadir die Flucht in die Schweiz. Einige Zeit später flüchtete auch Fahriye mit ihrem einjährigen Sohn hierher. Beide wurden als politische Flüchtlinge anerkannt. Doch während das Migrationsamt Nadir anstandslos einen Deutschkurs finanzierte, sollte Fahriye nach den Plänen der Behörde sich zunächst um das Kind kümmern. Wenn ihr Mann dann einen Job habe, könne er ihr ja einen Kurs finanzieren. Fahriye wehrte sich dagegen Sie habe das gleiche Recht auf einen Deutschkurs wie ihr Mann, argumentierte sie, und setzte sich durch. Fahriye machte in Basel eine Ausbildung als Sozialpädagogin und arbeitete danach als Familienbegleiterin – und tut das bis heute.

Für Fahriye war klar, dass sie in dem Land, in dem sie lebt, auch politisch aktiv wird. Hier in der Schweiz vernetzte sie sich mit politisch und sozial engagierten Aktivist:innen, unter anderem auch mit der IGA. Soziale Gerechtigkeit und feministische Anliegen sind ihre politischen Schwerpunkte: Sie war denn auch an der Gründungsversammlung von BastA! dabei. Ausserdem ist sie Mitglied der türkischen sozialistischen Partei SYKP.

Fahriye war massgeblich beteiligt an der Gründung des Vereins Städtepartnerschaft Basel-Van. Der Verein unterstützt Projekte zur Besserstellung der Bevölkerung in der vorwiegend von Kurd:innen bewohnten Stadt Van und informiert hier in der Schweiz über das repressive türkische Regime.

Seit Dezember 2025 ist Fahriye Mitglied der Einbürgerungskommission, ein Amt, das sie sehr gerne ausübt. «Ich freue mich jedes Mal, wenn die Dossiers kommen», sagt sie, «da erhält man Einblicke in so viele verschiedene Lebensgeschichten unterschiedlichster Menschen. Das finde ich spannend.»

Jetzt kommt also der Bürgergemeinderat hinzu. «Ich weiss noch nicht, was ich da bewirken kann. Ich werde zunächst wahrscheinlich viel zuhören und beobachten», sagt sie. Aber sie habe sich informiert und vorbereitet. Sie werde sich dafür einsetzen, dass die zahlreichen Angebote der Bürgergemeinde denjenigen zugute kommen, die es wirklich nötig haben. 
Ich bin überzeugt, dass Fahriye auch in ihrem neuen Amt einiges bewegen wird und wünsche ihr viel Erfolg.

Martin Flückiger, Redaktion Bulletin