Eine Naturinsel für niemanden

Die Klybeckinsel 1836, bevor der Altrhein Anfang des 20. Jh. aufgeschüttet und das Gebiet zum Hafen wurde. Quelle: Geoportal BS
Vor 15 Jahren habe ich in Buenos Aires einen Tag in der «Reserva Ecológica Costanera Sur» genossen. Dieses Gebiet am Ufer der Río de la Plata wurde in den 70er Jahren aufgeschüttet, um es zu überbauen. Dann ging jedoch das Geld aus und die Natur übernahm das 3,5 km2 grosse Gebiet. Heute ist es das grösste und artenreichste Schutzgebiet in Buenos Aires und ein riesiger Naturpark für die Bevölkerung. Der Besuch der Wiesen, Wälder und Feuchtgebiete direkt neben dem Stadtzentrum hat mich so beeindruckt, dass ich bei der Diskussion über das ehemalige Hafengebiet am Klybeckquai immer wieder daran denken muss.
Insel statt Park für Bevölkerung
Ich habe deshalb grosse Sympathien für die Grundidee der Klybeckinsel-Initiative: Die ehemalige Klybeckinsel (das Gebiet entlang der heutigen Klybeckquais) soll nicht bebaut, sondern zu einem Naturraum werden. Konkret fordert die Initiative jedoch nicht nur die Bewaldung des Gebiets, sondern auch die «Freilegung des aufgeschütteten Altrheins», um den Klybeckquai wieder zu einer Insel zu machen. Die Insel könne dadurch eine artenreiche Naturfläche werden, die Bevölkerung hätte aber kaum etwas davon. Im Gegensatz zur «Reserva Ecológica Costanera Sur» würde kein Land für einen naturnahen Park gewonnen, sondern Boden weggegraben, um die Insel von der Stadt abzutrennen. Die heutigen Freiräume am Hafen müssten genauso wie der Wagenplatz den Bäumen weichen. So verlockend die Initiative auf den ersten Blick wirkt, so wenig erfüllt sie das Bedürfnis der Bevölkerung nach mehr nutzbaren Grün- und Freiflächen.
Verpasste Chance
Trotzdem wäre die Initiative eine Chance gewesen, um im ehemaligen Hafengebiet am Klybeckquai einen grossen, naturnahen Park für die Bevölkerung zu realisieren. Jedoch hatten weder Initiant noch Regierungsrat und Parlament ein Interesse an einer solchen Lösung in Sinne der Bevölkerung. Die offizielle Planung wurde dank Juso-Initiative und dem Gegenvorschlag im Grossen Rat in den letzten Jahren zwar verbessert: Das Ackermätteli soll bis an den Rhein vergrössert werden. Der Rest ist hingegen weiterhin auf eine starke Verdichtung ausgerichtet und die vom Grossen Rat beschlossene grosszügige parkartige Grünanlage entlang des Rheinufers fehlt noch immer. Ein Gegenvorschlag zur Klybeckinsel-Initiative hätte diese Forderung aufnehmen und konkretisieren können. Das Kleinbasel wartet schon lange auf einen grossen Park wie Kannenfeld oder wenigstens Schützenmatte. Der Initiant der Initiative verweigerte sich aber der Diskussion und schloss von Anfang an einen Gegenvorschlag aus.
Leer einlegen
Somit kommt die Klybeckinsel-Initiative nun ohne Gegenvorschlag zur Abstimmung und wir haben die Auswahl zwischen der unbefriedigenden aktuellen Planung und einer Initiative, die ebenfalls an den Bedürfnissen der Bevölkerung vorbeigeht. Wir haben an der Mitgliederversammlung lange darüber diskutiert, wie wir damit umgehen wollen. Ein Ja zur Initiative würde bedeuten, für eine sinnlose Grossbaustelle für einen Kanal zwischen Klybeckinsel und Klybeck zu stimmen. Ein Nein würde als Zustimmung zur offiziellen Planung verstanden. Wir haben uns deshalb entschieden, euch zu empfehlen, leer einzulegen. Da wir weder Ja noch Nein stimmen wollen, verzichten wir auf ein Kreuz bei dieser Abstimmung. Aber bitte nur bei dieser, die anderen Abstimmungen (Herzstück, Chaos-Initiative etc.) sind sehr wichtig und dürfen keinesfalls im Altpapier landen.
Tonja Zürcher, Vorstand BastA!

